Unter der augenblicklichen gesellschafts- und gesundheitspolitischen Situation ist die berufliche Tätigkeit eines Kassen- bzw. Vertragsarztes bei den unmittelbar Betroffenen nicht unbedingt dazu angetan, Gefühle von Glück, Zufriedenheit und Hochstimmung zu erzeugen. Es gibt allerdings einen Berufstand, den es noch viel ärger trifft und mit dem man um alles in der Welt nicht tauschen möchte - für den ich im Gegenteil so etwas wie Mitleid empfinde. Ich meine den Beruf der Pharmareferentin, bzw. des Pharmareferenten.

“Ich möchte Ihnen ein neues Antibiotikum für Problemkeime vorstellen, das jedoch auch ohne weiteres in der Praxis Anwendung finden kann”, so eröffnet die junge Dame das Gespräch mit dem Arzt und präsentiert ihm ein Antibiotikum der neuen Generation, bei dessen Preis der Arzt im Hinblick auf seine Medikamentenbudgetierung und Regressdrohung nur müde lächeln kann. Er winkt ab. “Dann habe ich hier noch eine verhältnismäßig preiswerte Salbe für ihre Rheumapatienten…” Die fehlende Begeisterung des Arztes lässt die junge Pharmareferentin erneut in ihr Musterköfferchen greifen. “…und hier habe ich noch unser bewährtes Präparat X.” Der Arzt gibt zu bedenken, dass das bewährte Präparat X. mittlerweile als Generikum existiert und dort bei der 100er-Packung etwa 20 Euro billiger ist. Als die Pharmareferentin das Sprechzimmer des Arztes verlässt, ist sie deutlich frustriert und hat fast Tränen in den Augen. Der Arzt ist nach der Begegnung ebenfalls frustriert, weil er der jungen und netten Vertreterin der pharmazeutischen Industrie derartig den Tag verdorben hat und er bereut fast so ehrlich gewesen zu sein.

Bedauerlicherweise scheinen jedoch einige Vertreter der pharmazeutischen Industrie in den Kassenarztpraxen die Zeichen der Zeit überhaupt noch nicht erkannt zu haben. So wollte ein Pharmareferent dem Arzt sein sündhaft teures Präparat mit der Bemerkung schmackhaft machen, daß Malusregelung hin und Malusregelung her - z. B. bei 80.000 Kassenärzten und einer Überschreitung des Arzneimittelbudgets um 280 Millionen durchschnittlich “nur” 2000 Euro auf jeden Arzt entfielen. Und diese Summe sei doch eigentlich zu vernachlässigen… Nachdem der Arzt dreimal geschluckt und tief durchgeatmet hatte, meinte er zu dem jungen Herrn, das ihm 2000 Euro pro Jahr weniger doch einige Unlustgefühle bereiteten. Dies konnte jedoch der Pharmareferent nach eigener Aussage im Hinblick auf seinen persönlichen Jahresverdienst überhaupt nicht nachvollziehen, was den Arzt zu zwei Folgerungen veranlasste: Entweder verdienen einige Pharmareferenten beiderlei Geschlechts in diesem Lande entschieden zu viel, oder sie sind von einer derartigen Unsensibilität, dass sie sich als Gesprächspartner für den Arzt von selbst disqualifizieren!

Bei der augenblicklichen Situation auf dem Medikamentensektor muss man sich wirklich fragen, ob in der Zukunft Pharmareferenten überflüssig werden und bei der derzeitigen Gesetzgebung zu einem aussterbenden Berufsstand gehören. Diese Frage kann man nicht so einfach mit einem klaren “Nein” beantworten. Ändern wird und muss sich jedoch die Qualität und Intensität der Arzt-Pharmareferenten-Begegnung. Die Zahl der Pharmareferenten wird in der nahen Zukunft mit Sicherheit abnehmen. Und die bisher in einigen Pharmafirmen übliche Praxis, dass gleich mehrere Pharmareferenten für verschiedene Medikamentengruppen in die Praxis gehen, wird mit Sicherheit auch auf ein erträgliches Maß reduziert werden. Die Anforderungen an einen guten Pharmareferenten werden in der Zukunft steigen - wer als Pharmareferent überleben und “seine” Ärzte weiterhin betreuen will, muss meiner Ansicht nach folgende drei Kriterien erfüllen:

1. Er muss qualitativ hochwertige Medikamente zu einem kostengünstigen Preis anbieten.
2. Er muss ein wirklich kompetenter Gesprächspartner für den Arzt sein. Jene smarten Verkäufer mit dem Werbegeschenkartikel-Sortiment und nassforschen Sprüchen werden (zum Glück) wohl keine Zukunft haben.
3.Die Pharmareferenten beiderlei Geschlechts und die dahinterstehenden Firmen müssen dem Arzt und den Patientenein gutes und qualitativ hochstehendes Service-Angebot in Bezug auf Informationsbroschüren, Patientenhilfen, Seminarangeboten und Schulungen (die auch diesen Namen verdienen) bieten können.

Wer als Pharmareferent sowohl von seiner Persönlichkeit her als auch durch eine entsprechende Schulung diesen Kriterien entsprechen kann und dann noch das Glück hat, eine Firma mit qualitativ hochwertigen uind preisgünstigen Medikamenten zu vertreten, der wird auch in Zukunft bei sehr vielen Ärzten ein gern gesehener Gesprächspartner sein und bleiben. Wenn ich jedoch sehe, wer die Ärzte auf welche Art im Sprechstundenalltag be- und gelegentlich auch heimsucht, da bin ich mir sicher, dass in der nächsten Zeit einige Pharmareferenten beiderlei Geschlechts von der beruflichen Bildfläche verschwinden werden.

Siehe dazu hier.

“Pharmahersteller und ihre Referenten sind am Umsatz interessiert, nicht am Wohle des Patienten.” Ein kritisches Buch der Volkswirtschaftlerin Heide Neukirchen über das große Geschäft mit unserer Gesundheit.

Buchbesprechung