Generics & bunte PillenFebruary 24, 2006 8:51 pm

Aus Furcht vor einer Übertragung des H5N1-Virus auf den Menschen wollen nun alle Bundesländer für mindestens 20 Prozent ihrer Bevölkerung Arzneien wie Tamiflu und Relenza vorhalten.

Wie Die WELT.de berichtet, beschlossen die Gesundheitsminister von Bund und Ländern, die Vorräte von Tamiflu und Relenza gegen die Vogelgrippe beim Menschen massiv aufzustocken. Für mindestens 20% ihrer Bevölkerung wollen die einzelnen Bundesländer nun diese Medikamente vorhalten. Bisher sind diese Medikamente das einzige Gegenmittel wenn die Vogelgrippe auf den Menschen überspringt und sich von Mensch zu Mensch weiter verbreitet.

Falls es dazu kommen sollte, was derzeit noch unwahrscheinlich ist, ist allerdings die Impfung das beste Mittel um eine Ansteckung zu vermeiden. Bis jedoch ausreichend Impfstoff zur Verfügung steht, können, lt. Bundesgesundheitsulla Schmidt, sechs Monate ins Land gehen.

Vorbeugend Tamiflu bzw. Relenza einzunehmen ist wenig vorteilhaft, weil diese Mittel nur wirken, wenn man mit dem Virus in Kontakt gekommen ist, d. h. die ersten typischen Anzeichen verspürt. Dann sollte man das Mittel allerdings innerhalb von 48 Stunden einnehmen, um die Replikation (Vermehrung) der Viren zu verhindern. Eine vorbeugende Einnahme z.B. von Tamiflu würde zu einer Resistenz der Viren führen.

Tamiflu ist auch kein Wundermittel. Krank kann man trotz Einnahme des Medikamentes werden. Im Vergleich zur Placebo-Gruppe konnte die Krankheitsdauer in den beiden Oseltamivir-Gruppen (Tamiflu) um ca. 30% verkürzt und die Schweregrad der Symptome um etwa 38% gelindert werden. Sekundäre Grippe-Komplikationen wie Bronchitis (Entzündung der Atemwege) oder Sinusitis (Entzündung der Nasennebenhöhlen) traten bei 15% der Patienten in der Placebo-Gruppe und bei 7% in den beiden Oseltamivir-Gruppen auf.

Medizin NewsFebruary 20, 2006 7:15 pm

Wie einer Pressemeldung von dpa zu entnehmen ist, hat der Leiter des Instituts für Tiergesundheit, Prof. Dr. Thomas C. Mettenleitner “zwei harte Argumente” genannt, die dagegen sprechen, Nutzgeflügel gegen die Vogelgrippe zu impfen.

1. Bei einer Impfung würden sich erkrankte und geimpfte Tiere nicht mehr auseinander halten lassen.

2. Die Logistik der Impfung sei schwierig, weil sichergestellt sein müsse, dass alle Tiere eines Bestandes geimpft würden und diese Impfung bei allen Tieren im Abstand von zwei bis drei Wochen wiederholt werden müsse.

Prof. Mettenleitner führte zwar aus, dass in seinem Institut an einem sogenannten Marker-Impfstoff, der geimpfte von ungeimpften infizierten Tieren unterscheidbar macht gearbeitet würde. Er sagte allerdings nicht, dass dieser Impfstoff bereits im August vergangenen Jahres soweit war, dass erste Versuchsreihen erfolgreich abgeschlossen werden konnten.

Mit diesem Impfstoff geimpfte Tiere lassen sich von virusinfizierten Tieren unterscheiden.

Durch die Möglichkeit der Impfung über Spray, Augentropfen oder das Trinkwasser ist eine leichte Erreichbarkeit der Tiere auch in großen Haltungen gegeben.

Damit gäbe es ja nun keine Argumente gegen eine Impfung des Nutzgeflügels mehr. Zumal eine niederländische Studie bestätigt, dass eine Vogelgrippe-Impfung nicht nur Geflügel vor der Krankheit schützt, sondern auch die Ausbreitung der Tierseuche effektiv eindämmen kann. Die Studie bestätigt auch, dass sich mit der Impfung ein Vogelgrippe-Ausbruch im Keim ersticken lässt.

Hat man nun im Institut für Tiergesundheit geschlafen und den Impfstoff noch nicht fertig gestellt, oder stecken politische Gründe dahinter, weil es möglicherweise billiger ist die Nutztierbestände zu keulen und die Entschädigungen an die Geflügelhalter aus dem EU-Fonds zu bezahlen, anstatt ein Exportverbot von Geflügelprodukten von der EU zu kassieren?

Sieht fast so aus.

Wie der Spiegel in seiner Onlineausgabe berichtet regelt in Deutschland das Tierschutzgesetz mögliche Entschädigungszahlungen beim Ausbruch einer Seuche. Per Gesetz sind die Höchstsätze festgelegt, mit denen die Landwirte pro Tier, das “auf
behördliche Anordnung” um die Ecke gebracht wurde, rechnen können. Für ein Federviech bekommen sie 51 Euro, ein Schwein bringt maximal 1278, ein Rind 3068 Euro. Steht der Stall auf behördliche Anordnung leer und der Bauer kann keinen Ertrag
erwirtschaften, kann er sich nur mit einer Ertragsausfallversicherung vor finanziellen
Verlusten schützen. Kosten, die bei der Verwertung und Tötung der Tiere entstehen werden extra erstattet.

Damit diese Versicherung greift, müssen die Landwirte ihre Tier anmelden und Beiträge
zahlen. Die liegen so bei 2,33 Cent für ein Masthähnchen, 2,1 Cent für eine Legehenne und knapp 27 Cent für ein Putenhähnchen. Die Entschädigungen tragen das Land und die Tierseuchenfonds jeweils zur Hälfte. Auch auf Rügen gilt diese Regelung, obwohl hier vorsorglich gesunde Tiere getötet wurden. So jedenfalls verlautet es aus dem Bundeslandwirtschaftsminsterium.

Rechnen wir mal nach: Bauer Kliewe auf Rügen hat seine 2000 Federviecher um die Ecke gebracht. Für jedes tote Tier bekommt er 51 Euro. Macht 102.000 Euro. Zuzüglich der Kosten, die bei der Verwertung und Tötung der Tiere entstehen.

Medizin NewsFebruary 17, 2006 1:29 am

gitterhuhn Nun ist sie da, Deutschland hat die Vogelgrippe.

Auf der Ostseeinsel Rügen gibt es inzwischen 59 bestätigte Fälle von Vogelgrippe. Ab Freitag sitzt jegliches Federvieh wieder hinter Gittern.

Die Vogelgrippe ist eine Tierseuche, die nur in ganz seltenen Fällen auf den Menschen übergeht. Für Zuchtgeflügel ist der H5N1-Erreger besonders tödlich und kann binnen weniger Stunden eine ganze Schar dahinraffen. Wilde Enten und Gänse sind weit weniger anfällig. Übertragen wird das Virus durch Ausscheidungen der oberen Atemwege und Kot. Von Vogel zu Mensch wird das Virus nur schwer übertragen. In Asien haben tausende von Fällen erkrankter Vögel nur zu 120 bekannten Fällen beim Menschen geführt, davon endeten 60 Fälle tödlich. Im Gewebe kann das Virus überleben. Es gibt jedoch keine Hinweise darauf, dass eine Infektion erfolgen kann, wenn Fleisch und Eier richtig durchgekocht werden. Bei einer Kerntemperatur von 60 bis 70 Grad über 30 Minuten geht das Virus zugrunde.

Das Friedrich-Löffler-Institut hat schon im August 2005 mitgeteilt, dass deutsche Forscher einen neuen Impfstoff gegen die Vogelgrippe mit dem Subtyp H5 gefunden und erfolgreich getestet haben. In der EU ist eine Impfung bislang nicht erlaubt, weil man geimpfte und infizierte Tiere dann nicht mehr sicher auseinanderhalten kann. Allerdings erlaube der neue Impfstoff diese Unterscheidung. Wie die Forscher erklären, könnten die Tiere über Sprays, Augentropfen oder Trinkwasser auch in größeren Betrieben leicht geimpft werden.

Sonderbarerweise wird darüber in den Medien nichts erwähnt, obwohl man mit einer Durchimpfung der Geflügelbestände auch die Menschen vor einer Infektion mit dem Vogelgrippevirus schützen könnte. Auch müsste bei einer weiteren Verbreitung der Vogelgrippe nicht massenhaft Nutzgeflügel getötet werden und die Geflügelzuchtbetriebe würden nicht in den finanziellen Ruin getrieben.

Dafür hört man von Politikern und anderen mehr oder weniger kompetenten Personen :” Es gibt ja keine unmittelbare Gefahr für die Menschen. Aber überall dort, wo es einen Umgang mit Tieren gibt, muss man schon sehr vorsichtig sein.” Was nun, ist er Umgang mit Tieren nun gefährlich oder nicht. NRW-Landwirtschaftsminister Eckhard Uhlenberg scheint - wie bei Politikern allgemein so üblich - nicht zu wissen von was er redet.

Und weiter gibt der Minister Uhlenberg von sich:”Ich glaube, dass diese Schutzzone wichtig ist, die man dort eingerichtet hat. Das sind jetzt die Möglichkeiten, die man hat, damit möglichst auch der Übertrag vom Wildgeflügel auf das Nutzgeflügel nicht erfolgt.” Er glaubt, dass heisst, er weiss es nicht. Glauben tut man in der Kirche. Würde man beispielsweise das Nutzgeflügel impfen, könnte es nicht vom Wildgeflügel angesteckt werden.

Das ist wieder einmal typisch Deutschland,man wartet geduldig ab bis die Vogelgrippe im Land ist, obwohl sie sich ja lange genug angekündigt hat und wenn es dann wirklich soweit ist klappt nichts und alle Verantwortlichen laufen durcheinander wie eine Herde aufgescheuchter Hühner, kopflos und inkompetent.

Eigentlich müsste man die Politiker da hinsperren, wo die armen Federviecher jetzt sitzen, wirklich kompetente Leute an die Spitze lassen und denen nicht in ihr Handwerk reinreden.

Man muss sich Gedanken machen was gefährlicher ist, das Virus oder die Menschen die mit der Situation nicht umgehen können.

Generics & bunte PillenFebruary 12, 2006 6:17 pm

Nun hat die große Koalition das Arzneimittelpaket auf den Weg gebracht. Zum 1.April des Jahres kommt die Bonus-Malus-Regelung für Ärzte. Ab diesem Zeitpunkt sollen Ärzte dafür belohnt werden, wenn sie die staatlich festgesetzten Verordnungsmargen unterschreiten, aber bestraft werden wenn sie die festgesetzten Margen überschreiten. Das ist nichts anderes als die Einführung des Provisionsgedankens, wie man ihn von Versicherungs- und Arzneimittelvertretern kennt.

Und wie vereinbart sich das dann mit dem hippokratischen Eid?

Meine Verordnungen werde ich treffen zu Nutz und Frommen der Kranken, nach bestem Vermögen und Urteil; ich werde sie bewahren vor Schaden und willkürlichem Unrecht.

Gar nicht!

Drängen die Patienten beim Arzt auf die Verordnung eines besonders preisgünstigen Präparates, sollen die Krankenkassen die Möglichkeit erhalten auf die Zuzahlung zu verzichten.

Ebenso zum 1. April tritt das Verbot von Naturalrabatten in Kraft. Gespräche zwischen Pharmaaussendiensmitarbeitern und Apothekern über “1 plus 5″ oder “1 plus 10″ bei Abnahme einer größeren Menge von Arzneimitteln wird es dann nicht mehr geben. Jedenfalls offiziell nicht. Nach dem letzten Arzneimittelskandal darf man gespannt sein, was sich die Pharmaindustrie dann einfallen lässt um sich im härter werdenden Wettbewerb zu behaupten.

Generics & bunte PillenFebruary 4, 2006 12:36 am

Eckart Fiedler, Chef der Barmer Ersatzkasse, über gierige Ärzte, teure Medikamente und Zwei-Klassen-Medizin im Wartezimmer.

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