Arzneimittelmuster- Wie die Pharmaindustrie Ärzte “anfüttert”
Mehr als 5,5 Milliarden Gratispackungen Ärztemuster dürfen die Pharmafirmen pro Jahr in den Praxen abgeben zwei Kleinpackungen pro Präparat, Arzt und Jahr. Die Motive der Industrie liegen auf der Hand: Die Ärzte sollen sich an die Medikamente gewöhnen und später in möglichst großer Zahl verordnen. Welche Folgen hat das für die Arzneimittelausgaben der Krankenkassen? Und gibt es sinnvolle Alternativregelungen, die es dem Arzt ermöglichen, neue Medikamente kennenzulernen, ohne dass eine “Musterflut” die Praxen überschwemmt? Diesen Fragen ist das “Wissenschaftliche Institut der Techniker Krankenkasse für Nutzen und Effizienz im Gesundheitswesen” (WINEG) nachgegangen. Das Fazit der Experten: Die Musterabgabe sollte zeitlich begrenzt werden auf die ersten zwölf Monate nach der Zulassung des Medikamentes. Anschließend sollte auf wirkstofffreie Muster umgestellt werden. So lässt sich auch bei speziellen Präparaten zum Beispiel zur Inhalation oder zur Injektion der Umgang erlernen.
Arzneimittelmuster werden meist von Pharmavertretern in die Praxen geliefert und unterliegen damit nicht den üblichen Qualitätsvorgaben wie zum Beispiel einer Lagerungskotrolle oder einem kontrollierten Rückrufsystem. Viele Wirkstoffe sind auch temperaturempfindlich und überstehen eine Lagerung oder einen Transport in untemperierter Umgebung nicht unbeschadet.
Ich mache mir schon länger Gedanken um die Arzneimittelsicherheit der Ärztemuster. In den meisten Fällen lagern die bei den Pharmaberatern in der Garage, im Keller oder auf dem Dachboden. Alles keine Örtlichkeiten, die einer sachgerechten Lagerung von Arzneimitteln dienen.
Es ist kaum vorstellbar, dass Räumlichkeiten wie Garage, Keller und Dachboden auch nur annähernd für die sachgerechte Lagerung von Arzneimitteln geeignet sind. Garagen können weder trocken sein, noch die erforderliche Temperatur und Luftfeuchte für die Arzneimittellagerung aufweisen, zumal wenn in der Garage auch noch der Firmenwagen untergebracht ist. Aber auch ohne ist eine Garage nicht der rechte Platz für die Lagerung von Arzneimitteln. Welche Garage ist schon beheizt, trocken und entsprechend klimatisiert? Das gilt auch für Kellerräume und Dachböden. In diesen Räumlichkeiten ist eine sachgerechte Arzneimittellagerung völlig ausgeschlossen. Welches Pharmaunternehmen klimatisiert schon den Keller oder Dachboden, seiner Pharmareferenten, nur um dort Muster lagern zu können?
Arzneimittel sind getrennt von übrigen Waren, bei Temperaturen zwischen 15°C und 25°C, entsprechend den jeweils geforderten Bedingungen zu lagern. Die Luftfeuchtigkeit sollte 60% nicht übersteigen. Werden Arzneimittel außerhalb dieser Temperatur- und Feuchtebereiche aufbewahrt, wird die Stabilität nicht gewährleistet, d.h. durch thermische und hydrolytische Zersetzung können Abbauprodukte entstehen, die im schlechtesten Fall sogar toxisch sind. Auch die galenische Zubereitung kann unter falscher Lagerung leiden. Ganz zu schweigen davon, wenn die Arzneimittelmuster bei wechselnden Temperaturen tagelang im Firmenwagen durch die Gegend gefahren werden.
