Generics & bunte PillenDecember 29, 2007 7:06 pm

Kennen Sie den Saftblog der Kelterei Walther aus Arnsdorf? Geschäftsführerin dieses Unternehmens ist K. Walther. Ihr steht der Geschäftspartner Jörg H. zur Seite. Im Saftblog der Fa. Walther wird schwer die Werbetrommel für Aronia-Saft gerührt. Im Saft-Shop wird der Saft aus der unscheinbaren und als wenig schmackhaft geltenden Frucht in der 3-Liter Saftbox für 22,60 Euro angeboten. Ein wahrlich stolzer Preis.

Was hat es eigentlich mit der Aroniabeere auf sich? Da bietet es sich an, mal bei Google anzufragen. Hilfreich wie Tante Google nun mal ist, bietet sie gleich als ersten Eintrag die Internetpräsentation der “Freunde und Förderer der Aroniabeere. e. V.” an. Hier werden der Aroniabeere mannigfaltige Heileigenschaften nachgesagt::

…Cholesterolablagerung verhindern
…normale Duchlassfähigkeit und Geschmeidigkeit der Blutgefäßwände gewährleisten
…bei Arterienverkalkung und Hypertonie aber auch Störungen des Nervensystems angewendet werden
…hervorragendes Heilmittel bei hohem Blutdruck
…erhöhen die Abwehrkräfte des Organismus gegen Krankheitserreger (Bakterien und Viren).
…gutes Heilmittel bei Bronchitis.

Schön, wenn man als unscheinbare und nicht gerade wohlschmeckende Beere so gute Freunde und Förderer hat. Einen besonders guten Förderer und Freund kennen wir bereits, den Geschäftspartner bei Walthers Kelterei, Jörg H. Der ist “zufälligerweise” auch der inhaltlich Verantwortliche gemäß § 10 Absatz 3 MDStV für die Website www. aroniabeere.de. Es gibt aber noch mehr “Zufälle:” Über die Aroniabeere gibt es ein drucktechnisches Erzeugnis: “ARONIA Unentdeckte Heilpflanze.” Erhältlich u.a. bei amazon.de. Da begegnet er uns wieder, der Jörg. H. einmal als Bildautor und als Verfasser einer Rezension über das Aroniabuch. Was es alles gibt und wie klein die Welt doch ist! Geschäftspartner bei der Kelterei Walther in Arnsdorf, Verantwortlicher für die Inhalte der Website der “Freunde und Förderer der Aroniabeere e.V.” Und Rezensent bei amazon.de. Alles in Personalunion.

Nun handelt es sich bei Aroniabeerensaft um ein Lebensmittel und kein Arzneimittel. Das LFGB (Lebensmittel-Bedarfsgegenstände- und Futtermittelgesetzbuch) enthält eindeutige Bestimmungen:

Es verbietet wissenschaftlich nicht hinreichend gesicherte Wirkungsbehauptungen.
Einem Lebensmittel darf nicht der Anschein eines Arzneimittels gegeben werden.
Eine krankheitsbezogene Werbung ist grundsätzlich verboten und nur bei bestimmten diätetischen Lebensmitteln zugelassen, bei denen entsprechende Verbraucherinformationen nötig sind, z.B. bei Erzeugnissen für Diabetiker.

Nach dem Arzneimittelgesetz (AMG) können Lebensmittel keine Arzneimittel sein.

Hinreichend gesicherte Wirkungen auf bestimmmte Krankheiten gibt es für Aroniasaft nicht. Die Landesapothekerkammer Baden-Württemberg führt dazu u. a. aus:

“Die intensive Färbung verdankt die (Aronia)-Frucht einem hohen Gehalt an sogenannten Anthocyanen und anderen Polyphenolen, wie wir sie aus demRotwein kennen. Das sind sekundäre Pflanzenstoffe, also Stoffe, die diePflanze nicht für Ihren Stoffwechsel produziert, sondern um sich vor schädlichen Außeneinflüssen zu schützen. Ihnen werden gesunde Wirkungen als Antioxidantien und Radikalfänger nachgesagt. Auch für diese Pflanzenstoffe fehlt der wissenschaftliche Beweis für eine gesundheitsfördernde Wirkung im Sinne der Werbeberichte zu Aronia-Saft, der sogar gegen hohen Blutdruck und Diabetes wirken soll. Unklar ist, ob und in welchem Umfang die sekundären Pflanzenstoffe, die auch(Bio-)Flavonoide genannt werden, vom Körper aufgenommen werden können. Außerdem können diese Pflanzenstoffe - wie man vom Beispiel der Grapefruit weiß, auch den Abbau von Arzneimitteln negativ beeinflussen. Man kann den Aronia-Saft daher als Abwechslung zu anderen Getränken ab und zu genießen aber nicht regelmäßig wie ein Arzneimittel einnehmen, um eine Krankheit zu heilen oder zu lindern. Denn es gibt auch für Aronia-Saft keine Wirksamkeitsnachweise.”

Ich finde es verwerflich und bedenklich, wenn aus Profitgründen einem Lebensmittel der Anschein eines gegen verschiedene Krankheiten, wie z.B. Bluthochdruck und Bronchitis, wirksamen Arzneimittels gegeben wird.

Auch hier wird über die Aronia- oder Apfelbeere berichtet, nicht so elegant wie bei Walther’s, dafür aber dreister. Mittlerweile wird auf der Homepage der Site auf ein vermindertes Informationsangebot über die Apfelbeere hingewiesen:

“…beim Weitersurfen auf unserer Website wird Ihnen auffallen, dass unsere bisherige Informationsvielfalt eingeschränkt wurde.

Grund dafür ist, dass man uns derzeit mit Abmahnungen bis hin zur einstweiligen Verfügung überschüttet, um zu verhindern, dass wir wichtige Informationen über die Apfelbeere an Sie weitergeben.

Wir prüfen derzeit, auf welchem Weg wir Ihnen die Informationen zukünftig zukommen lassen können, die Ihnen einfach zustehen…”

Na, das ist doch ganz einfach, Aroniabeerensaft als das deklarieren, was er ist, ein möglicherweise “gesundes” Lebensmittel, ohne bisher nachgewiesene Wirkungen auf Krankheiten.

Trotzdem findet man im Internet bei Google interessante Aussagen über die Apfel- oder Aroniabeere, leider keine wissenschaftlich nachgewiesenen. Bis vor kurzem konnte man auf der Seite www.apfelbeere.de noch die Meinung einer Heilpraktikerin aus Tambach-Dietharz lesen:

“…Apfelbeeren-Nektar unterstützt viele Funktionen unseres Körpers.
Die enthaltenen Vitamine und Ballaststoffe stärken das Immunsystem, dieAnthocyane säubern das Gefäßsystem und können so Herzinfarkt undArteriosklerose vorbeugen…”

Mittlerweile ist diese Information verschwunden. Na sowas, da hat die heilpraktische Dame wohl kalte Füsse bekommen.

Ganz besonders skrupellos finde ich die Bewerbung der Apfelbeere auf der Website “Natur Manufactur” Scholze Schirgiswalde.
Hier wird sogar von einem Telefongespräch über angeblich “erste Erfolge” mit Aronia bei Krebs berichtet:

…Am 7.7.2007 rief mich eine Frau an, deren Tochter Krebs hat, der Arzt hat Ihr zur Aronia geraten und die Tochter hat die ersten Erfolge mit diesem Radikalenfänger gemacht. Ich habe Sie gebeten uns auf dem Laufenden zu halten, was ich gerne an Sie weitergebe…

Verantwortlich für diese Website zeichnet lt. Impressum ein Dipl.-Ing.(TU) für Lebensmitteltechnik. Wie sich derartige Aussagen über ein Lebensmittel, denn nichts anderes ist der Saft der Apfel- oder Aroniabeere, mit dem
Berufsethos des Herrn Dipl.- Ing. (TU) für Lebensmitteltechnik vereinbaren lassen, entzieht sich meiner Kenntnis.

Bei Wolly’s Weinwelt wird der Aroniabeere ebenfalls eine Heilwirkung bei verschiedenen Krankheiten zugeschrieben:

…”aufgrund seiner heilenden Wirkung viel in der Medizin eingesetzt, z. B. zur Ausscheidung von Schwermetallen,
Behandlung von Arteriosklerose, Senkung des Blutdrucks, Erkrankung der Haargefäße,
Hämorrhoiden und anazider Gastritis (Magenentzündungen)…”

Dringend zu empfehlen ist den Seitenbetreibern ein Blick in das LFGB (Lebensmittel-Bedarfsgegenstände- und Futtermittelgesetzbuch.)

Unter §12 Verbot der krankheitsbezogenen Werbung ist dort vermerkt:

(1) Es ist verboten, beim Verkehr mit Lebensmitteln oder in der Werbung für Lebensmittel allgemein oder im Einzelfall

1. Aussagen, die sich auf die Beseitigung, Linderung oder Verhütung von Krankheiten beziehen,

2. Hinweise auf ärztliche Empfehlungen oder ärztliche Gutachten,

3. Krankengeschichten oder Hinweise auf solche,

4. Äußerungen Dritter, insbesondere Dank-, Anerkennungs- oder Empfehlungsschreiben, soweit sie sich auf die Beseitigung oder Linderung von Krankheiten beziehen, sowie Hinweise auf solche Äußerungen,

5. bildliche Darstellungen von Personen in der Berufskleidung oder bei der Ausübung der Tätigkeit von Angehörigen der Heilberufe, des Heilgewerbes oder des Arzneimittelhandels,

6. Aussagen, die geeignet sind, Angstgefühle hervorzurufen oder auszunutzen,

7. Schriften oder schriftliche Angaben, die dazu anleiten, Krankheiten mit Lebensmitteln zu behandeln,

zu verwenden.

Mag sein, dass der Saft der Aroniabeere “gesund” ist. Das heißt allerdings nicht, dass er dazu im Stande ist Krankheiten zu heilen oder deren Verlauf zu beeinflussen. Das heißt nur, er schadet nicht. Orangensaft ist auch “gesund”, weil er reich an natürlichem Vitamin C ist. Keiner würde jedoch auf den Gedanken kommen, Orangensaft eine heilende Wirkung zuzuschreiben. Wer mag kann Aroniasaft trinken, als Lebensmittel, nicht mehr und nicht weniger ist Aroniabeerensaft nämlich.

Ich, für meine Begriffe, halte ihn für ungeniessbar, aber das ist Geschmacksache.

Generics & bunte PillenFebruary 25, 2007 3:34 am

Die Sendung “Hauptsache Gesund” mit Fernsehärztin Dr. Franziska Rubin gilt als die erfolgreichste deutsche Gesundheitssendung. Während Dr. Thomas Höhn von der Schwestersendung “Natürlich Gesund” seinen Ruf als MDR-Fernseharzt ungehemmt zur Ankurbelung seiner privaten Geschäfte mit dubiosen Anbietern von überteuerten Esoterikgeräten und Vitaminpräparaten nutzt, ist “Hauptsache Gesund” ein PR-Vehikel der Apotheker- und Pharmalobby. Im Gegenzug macht Franziska Rubin mit Pharmafirmen und Apotheker-Verlagen gute Geschäfte […]

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Generics & bunte PillenJuly 3, 2006 8:33 am

Hier nun die aktuelle Liste der zuzahlungsbefreiten Arzneimittel.

Wenn Ihr Arzt Ihnen Arzneimittel aus dieser Liste verordnet, müssen Sie keine Zuzahlung leisten.

Generics & bunte PillenFebruary 24, 2006 8:51 pm

Aus Furcht vor einer Übertragung des H5N1-Virus auf den Menschen wollen nun alle Bundesländer für mindestens 20 Prozent ihrer Bevölkerung Arzneien wie Tamiflu und Relenza vorhalten.

Wie Die WELT.de berichtet, beschlossen die Gesundheitsminister von Bund und Ländern, die Vorräte von Tamiflu und Relenza gegen die Vogelgrippe beim Menschen massiv aufzustocken. Für mindestens 20% ihrer Bevölkerung wollen die einzelnen Bundesländer nun diese Medikamente vorhalten. Bisher sind diese Medikamente das einzige Gegenmittel wenn die Vogelgrippe auf den Menschen überspringt und sich von Mensch zu Mensch weiter verbreitet.

Falls es dazu kommen sollte, was derzeit noch unwahrscheinlich ist, ist allerdings die Impfung das beste Mittel um eine Ansteckung zu vermeiden. Bis jedoch ausreichend Impfstoff zur Verfügung steht, können, lt. Bundesgesundheitsulla Schmidt, sechs Monate ins Land gehen.

Vorbeugend Tamiflu bzw. Relenza einzunehmen ist wenig vorteilhaft, weil diese Mittel nur wirken, wenn man mit dem Virus in Kontakt gekommen ist, d. h. die ersten typischen Anzeichen verspürt. Dann sollte man das Mittel allerdings innerhalb von 48 Stunden einnehmen, um die Replikation (Vermehrung) der Viren zu verhindern. Eine vorbeugende Einnahme z.B. von Tamiflu würde zu einer Resistenz der Viren führen.

Tamiflu ist auch kein Wundermittel. Krank kann man trotz Einnahme des Medikamentes werden. Im Vergleich zur Placebo-Gruppe konnte die Krankheitsdauer in den beiden Oseltamivir-Gruppen (Tamiflu) um ca. 30% verkürzt und die Schweregrad der Symptome um etwa 38% gelindert werden. Sekundäre Grippe-Komplikationen wie Bronchitis (Entzündung der Atemwege) oder Sinusitis (Entzündung der Nasennebenhöhlen) traten bei 15% der Patienten in der Placebo-Gruppe und bei 7% in den beiden Oseltamivir-Gruppen auf.

Generics & bunte PillenFebruary 12, 2006 6:17 pm

Nun hat die große Koalition das Arzneimittelpaket auf den Weg gebracht. Zum 1.April des Jahres kommt die Bonus-Malus-Regelung für Ärzte. Ab diesem Zeitpunkt sollen Ärzte dafür belohnt werden, wenn sie die staatlich festgesetzten Verordnungsmargen unterschreiten, aber bestraft werden wenn sie die festgesetzten Margen überschreiten. Das ist nichts anderes als die Einführung des Provisionsgedankens, wie man ihn von Versicherungs- und Arzneimittelvertretern kennt.

Und wie vereinbart sich das dann mit dem hippokratischen Eid?

Meine Verordnungen werde ich treffen zu Nutz und Frommen der Kranken, nach bestem Vermögen und Urteil; ich werde sie bewahren vor Schaden und willkürlichem Unrecht.

Gar nicht!

Drängen die Patienten beim Arzt auf die Verordnung eines besonders preisgünstigen Präparates, sollen die Krankenkassen die Möglichkeit erhalten auf die Zuzahlung zu verzichten.

Ebenso zum 1. April tritt das Verbot von Naturalrabatten in Kraft. Gespräche zwischen Pharmaaussendiensmitarbeitern und Apothekern über “1 plus 5″ oder “1 plus 10″ bei Abnahme einer größeren Menge von Arzneimitteln wird es dann nicht mehr geben. Jedenfalls offiziell nicht. Nach dem letzten Arzneimittelskandal darf man gespannt sein, was sich die Pharmaindustrie dann einfallen lässt um sich im härter werdenden Wettbewerb zu behaupten.


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