Da können einem fast die Tränen kommen. Im Forum für gestrauchelte Pharmaberater erzählt eine 32-jährige alleinerziehende Mutter aus den Neufünfländern (Thüringen) wie es ihr auf dem Weg zum Haifischbecken Pharma-Aussendienst bisher erging.
Im Oktober letzten Jahres absolvierte sie ihr Staatsexamen als MTA. Dann kam sie auf die glorreiche Idee Pharmaberaterin zu werden. Seit Februar bewarb sich unsere MTA bei verschiedenen Pharma-Dienstleistern, wie diese Firmen heissen, die Pharmaberater projektionsbezogen an die Pharmaindustrie verleihen. Im Juni hatte die MTA nun ein Gespräch bei einem Pharmadienstleister mit dem Namen Pattexx oder so ähnlich. Im Plauderton redete ein junger, netter Pattexx-Mann mit der Bewerberin und zog wohl erst mal über deren Vorgängerin her. Wirklich eine nette Art dieser Firma. Mit einigen Lobhudeleien und Small-Talk zwischen dem netten Pattexx-Mann und der Bewerberin aus Thüringen-Südland verlief das Gespräch wohl ganz relaxt.
Soviel war der Bewerberin schon bewusst - es ging ums Verkaufen- das sagte sie dem Pattexx-Mann auch. Der testete auch gleich die Verkaufsqualitäten der Bewerberin und stellte fest, da waren ja gar keine. Die Bewerberin schreibt von “Angriff,” aber Verkaufen im Pharmabereich beim Arzt ist ja auch Angriff - Angriff auf die Verordnungsgewohnheiten des Arztes.
Spätestens jetzt war der Bewerberin klar, dass sie noch einiges und sogar ganz viel lernen musste, hatte aber dennoch das Gefühl, dass der nette, junge, Pattexx-Mann sie “nehmen ” würde, wie das auch immer gemeint war. Schliesslich kann sie ja als MTA mit gewissen medizinischen Kenntnissen aufwarten. Die hat der Arzt aber selbst. Mädchen, hier geht es ums knallharte Verkaufen, um Umsatzzahlen und darum, wie man den Arzt so in seinen Verordnungsgewohnheiten beeinflusst, dass der die Arzneimittel des Arbeitgebers verordnet. Dementsprechend traf unsere Bewerberin die Absage des Pattexx-Mannes auch unvorbereitet und wie eine kalte Dusche. Nun mögen kalte Duschen zu dieser Jahreszeit durchaus wohltuend wirken, für unsere Bewerberin auf dem Weg zum “tollen Job” Pharmareferentin ist es ein schwerer Schlag.
Der Pattexx-Mann sagte unserer MTA knallhart, aber wohl wahrheitsgemäß, dass ihr der “verkäuferische Biss” fehlt, den müsse sie sich wohl erst selbst aneignen, in Produktschulungen würde man das “verkäuferische Beissen” wohl nicht lernen.
Der Pattexx-Mann machte unserer Bewerberin aber auch Mut und meinte, wenn sie “soweit” sei und fit ist in Verkaufpsychologie, Marketing und Verkaufstraining, also so richtig den Arzt beeinflussen kann, dann solle sie sich wieder melden.
Nun ist unsere MTA am Boden! Sie weiss, dass sie keine Ahnung vom Verkaufen hat, will aber Pharmaberaterin werden. Warum gerade Pharmaberaterin? Liegt es daran, dass man Mittags wieder zu Hause sein kann, sich um den Nachwuchs kümmern kann, aber die Kohle für ganze Tage bekommt? Den Firmenwagen gibts ausserdem. Ist im Thüringer-Wald eigentlich die Zeit stehen geblieben? Dafür wirft man nicht den achtenswerten Beruf als MTA hin. Haben die schon mitbekommen, dass wir mittlerweile die soziale Marktwirtschaft haben, mit allem was dazu gehört?
Es gibt eigentlich nur zwei Möglichkeiten: Kurse und Schulungen auf dem Gebiet des modernen Verkaufens zu machen, ein paar Kenntnisse in Orthografie wären auch nicht schlecht, die - gottseidank - nicht mehr von den AA’s bezahlt werden, oder den “tollen Job” als Reisende in Sachen Pharmamarketing ganz einfach zu vergessen. Ich rate zu Letzterem!